Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (EG 241)
Shownotes
Vermutlich wird es dieses Lied nie in die Top Ten von Martinas und Kathrins Lieblingsliedern schaffen. Aber das muss ja auch gar nicht sein. Trotzdem machen die beiden wieder viele Entdeckungen in Text und Melodie von "Wach auf, du Geist der ersten Zeugen". Hört am besten gleich einmal in die Folge hinein.
- Infos zu Heinrich von Bogatzky
- Text von Franckes "Wach auf, du Geist der treuen Zeugen"
Habt Ihr Lust beim Promotionsprojekt von Jana Langkop mitzumachen? Dann schreibt bitte eine Email mit dem Betreff "Wochenliederpodcast" an: jana.langkop@stu.uni-kiel.de
Hier sind noch einige Informationen zum Projekt:
Jana Langkop ist Doktorandin in der Praktischen Theologie, CAU Kiel
Ihr Forschungsthema: digitale Angebote der Kirche und deren Nutzung
Worum geht’s? Um Eure Nutzung des Wochenliederpodcasts.
Wie funktioniert das? In Form einer Gruppendiskussion mit anderen Hörern, sodass Ihr euch auch untereinander austauschen könnt.
Jana Langkop wird gemeinsam mit Euch einen Termin auf der Plattform Zoom verabreden. Das Gespräch wird etwa 60-90min dauern.
Was passiert mit meinen Aussagen? Das Gespräch wird für die Auswertung aufgezeichnet. Selbstverständlich wird alles, was Ihr dort sagt, vertraulich behandelt und pseudonymisiert, sodass von Dritten keine Rückschlüsse auf möglich sind.
Wenn ich noch weitere Fragen habe? Für Fragen steht Jana Langkop selbstverständlich **Sehr betonter Text**zur Verfügung. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, Eure Zustimmung wieder zurückzunehmen und Ihre Antworten und Daten aus der Studie entfernen zu lassen.
Wir freuen uns über Post an wochenliederpodcast@evlks.de und über neue Freunde und Freundinnen auf Insta. Hinweise zu Mitwirkenden und den Einspielungen in dieser Episode gibt es unter www.wochenliederpodcast.de.
Transkript anzeigen
00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Wochenlieder-Podcasts.
00:00:09: An den Mikrofon begrüßen euch wie immer
00:00:12: Martina Hekt aus der Arbeitsstelle Kichermusik und
00:00:14: Katrin Mette aus dem Klosterhof Sankt Afra in Maisen!
00:00:19: Und bevor wir einsteigen, in die Folge noch ein Hinweis.
00:00:22: Unser Wochenlider Podcast wird Teil-, wird Gegenstand eines Promotionsprojektes Und die Doktoranden, die sich mit unserem Wochenlieder-Podcast und auch mit anderen digitalen Angeboten beschäftigt würde gern Hörerinnen und Hörern des Podcasts zu einer Onlinegruppensitzung zusammenbringen.
00:00:42: Wer Lust hat daran teilzunehmen findet in den Show Notes Infos wo er sich melden kann.
00:00:57: im evangelischen Gesangbuch, die Nummer twohundertundvierzig.
00:01:01: Der Text stammt von Karl Heinrich von Bogacki.
00:01:04: Die letzte Strophe wurde bearbeitet von Albert Knapp.
00:01:07: Der Lied Text klingt auf die Melodie von dir dir o höchster will ich singen und es ist vorgeschlagen als Wochenlied für den fünften Sonntag nach Trinitatis.
00:03:46: Ich mag die Melodie des Liedes sehr Obwohl sie einen großen Umfang hat und daher gar nicht so einfach zu singen ist, finde ich.
00:03:52: Aber es ist irgendwie ruhig und atmend.
00:03:55: So würde ich das beschreiben.
00:03:56: Nicht langweilig!
00:03:58: Und dann gibt's so ein Ausbruch in der vorletzten Zeile.
00:04:00: den finde ich richtig aufregend.
00:04:03: Mit dem Text habe ich mich ehrlich gesagt bisher noch nie so richtig befasst gehabt und ich war jetzt erstaunt... Über manches Detail zum Beispiel auch, dass es in dem Lied so Bezüge zu einem biblischen Text gibt.
00:04:16: Der am fünften Sonntag nach Trinitat ist als Predigt-Text vorgesehen ist.
00:04:20: Da geht's um eine sehr lange Perikope im neunten und zehnten Kapitel des Matthäus Evangeliums.
00:04:25: Man nennt sie die Aussendungsrede Jesu.
00:04:28: Wie gehts dir mit dem Lid Martina?
00:04:30: Also ich fremdle mit dem lied etwas.
00:04:33: Es ist eines der vielen älteren Lieder im erfänglichen Gesangbuch Die sich mir aufgrund ihrer Verzeihe mit den Ausdruck etwas angestaubten Spracher nicht unmittelbar erschließen und ich singe es auch gerade deshalb eher selten.
00:04:50: Da kannst du natürlich sagen, das müsste mich damit befassen.
00:04:55: ja also wenn ich erstmal so beim ersten Traufflug drauf gucke da begegnen mir ganz viele Kampf- und Feindesbilder.
00:05:03: dann In der ersten Strufe wird von treuen Wächtern geredet, dem Feind entgegen gehen.
00:05:08: Später soll ich in Satan's Reich mit Macht hineinbrechen...
00:05:12: Nein nicht du sondern Gott sollte reinbrechen!
00:05:13: Ja
00:05:13: oder Gott sollte reinbrechnen.
00:05:15: und dann stellt sich mir die Frage passend das überhaupt noch zu heute Mauern, Wächter, Antearbeit nichts davon ist mehr selbstverständlich lebensnah jedenfalls für mich als Städterin.
00:05:26: natürlich kann ich viele dieser Bilder verstehen aber sie haben schon ein bisschen was Verklärtes Märchenhaftes.
00:05:32: Und in Zukunft natürlich auch noch dieser missionarische Absolutheitsanspruch und diese hierarchischen Vorstellung, die dem Lied anklingen.
00:05:39: Ja mit der Melodie kann ich auch gut leben!
00:05:42: Die ist frisch, die ist beseelt...die singt sich gewissermaßen von selbst.
00:05:47: Wenn ich den Text aber jetzt nur von dem Liet habe ohne diese musikalische Bindung dann komme ich schon sehr ins Nachdenken.
00:05:55: Ist das heute dran?
00:05:58: Natürlich ist das eine wichtige Diskussion unserer Kirche.
00:06:01: kann und soll man dieses Lied oder jenes Lied heute wirklich noch singen.
00:06:04: Da geht es auch nicht nur um die alten Lieder, da geht's auch um neuere Lieder.
00:06:07: Es ist eine Qualitätsdiskussion und eine Frage wie wir unseren Glauben verstehen und Menschen antworten darauf ganz unterschiedlich.
00:06:13: ich bin sehr gespannt, wie du mir das Lied öffnest.
00:06:18: Lasst uns mal was zum Texter zusammen tragen zu Karl Heinrich von Bugatzke.
00:06:24: Er ist ein Schleser er ist Theologe Dichter also Vierhundertelf-Lieder hat er Verfasst?
00:06:32: Er ist einer der erfolgreichsten Erbauchsschriftsteller des Hallischen Pietismus.
00:06:37: Pietismus, du weißt das ist so eine innerkirchliche Erneuerungsbewegung des seventeinachzehnten Jahrhunderts die auf den lebendigen persönlichen Glauben und die praktische Nächste Liebe wert gelegt hat.
00:06:48: Geboren ist unser Texter am siebten September sechzehnhundant neunzig in Yang Kuo war.
00:06:54: Das liegt in Niederschläschen und gestorben ist er am fünftzehnte Juni siebzehntundvierundsiebzig und zwar erst sehr gestorben in Halle an der Saale im staatlichen Alter von dreiundachtzig Jahren.
00:07:07: Guckt mal auf seine Familie, seine Kindheit.
00:07:10: Hab schon gesagt, gebronnene Niederschläschen auf dem Gut seiner Eltern.
00:07:14: Sein Vater trat früh in den kaiserlichen Kriegsdienst ein und konvertierte zum Katholizismus.
00:07:20: die Erziehung des kleinen Karl Heinrich lag dann hauptsächlich in den Händen seiner Mutter.
00:07:25: Die war eine tiefgläubige Christin.
00:07:28: ihr Name lautet Eva Eleonora von Kalkreut.
00:07:33: Ja und ihr Einfluss schlug sich bei Bogacchi in einer intensiven Gebetspraxis nieder, er machte wohl viele persönliche Erfahrungen von Gebetserhörungen und das hat ihn dann eben nachhaltig
00:07:46: geprägt.
00:07:47: Ja, in seiner Jugendzeit war er schon mit vierzehn Jahren Parge am Hof von Herzog Johann Georg von Sachsen-Weißenfels und später auch Parge im Presslau.
00:07:57: Am Hof des Grafen Heinrich des Vierundzwanzigsten von Reus Köstritz, Köstritts, Kerstritzer Bier... ...in einem christlich bewegten, ja das waren sehr christlich bewegter Mensch dieser Graf, Heinrich von Reuz Köstridts.
00:08:13: Und der Graf ermutigt ihn auch zum Studium, unterstützt ihn sogar finanziell und er begann in Breslau Jura zu studieren.
00:08:21: Und dann auch Theologie in Jena.
00:08:24: Er besuchte dann Halle an der Saale, bekam dort Kontakt zu den pietistischen Theologen die dort unterwegs waren – auch zu August Hermann Franke.
00:08:38: Anfänglich war ein bisschen skeptisch gegenüber dem Piatismus, dem hallischen Piatismus.
00:08:43: Aber er wandte sich doch dann irgendwie doch sehr deutlich dieser Glaubensrichtung zu und entschlossig sein Leben ganz Gott zu widmen.
00:08:52: In den Sebzehnundfünften zog er richtig um nach Halle.
00:08:55: Er studierte dann Rechtswissenschaften dort, hörte aber auch theologische Vorträge.
00:09:01: Er stand in enger Verbindung zu dem August-Hermann Franke, aber auch zu anderen Freilinghausen.
00:09:05: Das war Frankes Schwiegersohn und zu anderen Piatisten.
00:09:09: Einlinghausen,
00:09:09: ein ganz wichtiger Gesangbuch herausgegeben?
00:09:11: Genau!
00:09:12: Und dann starb eben die Mutter von Karl Heinrich von Bogatzky... ...und das führte zum Bruch mit dem Vater da er sich weigerte, in den Militärdienst einzutreten was der Vater eigentlich für ihn vorgesehen hatte.
00:09:26: Stattdessen entschied er sich siebzehnt hundertsebzehn für die Theologie.
00:09:32: Er bekam dann ein bisschen gesundheitliche Probleme durch sein intensives Studium und brach das Studium ab, kehrte nach Schlesien zurück.
00:09:41: Und er war irgendwie zu der Erkenntnis gelangt, dass er nicht geeignet ist für einen Pfarramt.
00:09:45: Das hat mich an die Biografie von Jochen Klepper erinnert.
00:09:50: Er war als geistlicher Betreuer- und Seelsorger tätig, hat zahlreiche atelige Familien betreut und zum Beispiel auch beim Aufbau eines Weisenhauses in Glaucher geholfen.
00:10:01: In den letzten Jahren, als er in Erzien war, hat er mit seiner Frau in Androfamilien eine Bekehrung im Sinne des heilischen Pietismus erfahren.
00:10:13: Mit ihr hatte Bogacki zwei Söhne, die aber nach dem Tod seiner Frau zur Erziehung gab.
00:10:21: Ab hier führte er ein unstehtes Wanderleben.
00:10:29: Nach dem Tod seiner Frau lebte Bugatsky bei seiner Schwester in Presslau dann auch am Hof des Grafen von Reus, in Köstritz.
00:10:37: Und ab siebzenhundvierzig war er Kammerjunker Ampiatistischen Hof in Saalfeld.
00:10:43: Er übersiedelte es, siebzehnundsechsundvierzig nach Halle und zog in eine freie Wohnung im Weisenhaus ein.
00:10:52: Aber ja völlig mittellos?
00:10:54: Ja, deswegen freie Wohnungen also ohne Mietes sozusagen.
00:10:56: das war ne Art Also eine barmherzige Tat, dass der dort wohnen konnte in dem Weisenhaus.
00:11:01: Und er hat sich also ganz intensiv mit den verfassenden Abaulicher- schriften befasst?
00:11:06: Das war seine Leidenschaft!
00:11:07: Ja
00:11:07: und wenn wir jetzt mal gucken auf sein Werk und die Bedeutung seines Werkes dann... Kann man sagen, seine Schriften sind geprägt von einem tiefen Glauben und einer großen geistlichen Erfahrung.
00:11:17: Ich habe schon gesagt er hat vierhundert elf geistliches Lieder getextet.
00:11:20: Ja, sehr erstaunlich!
00:11:21: Das hab ich auch gelesen.
00:11:22: Und sein bekanntes Lied ist eben Wach auf du Geist der ersten Zeugen.
00:11:26: Sein bedeutendstes Werk ist das güldene Schatzkästlein der Kindergottes.
00:11:31: Was für ein Buchtitel?
00:11:33: Aber damals waren die alle so ein bisschen blohmig... Er hat auch seine eigene Lebensbeschreibung verfasst, und das ist wohl eine sehr wichtige Quelle um die Geschichte des Piatismus zu erforschen.
00:11:45: Wenn wir uns der Melodie zu, sie entstand ursprünglich in Hamburg Wir kennen keinen Autor, anonym, irgendwie um sixhundertneunzig Und sie wurde erstmals in Georg Witwes musikalisches Handbuch geistlicher Melodien veröffentlicht.
00:12:03: Sie trug Damals aber den Namen dir der Jehova will ich singen.
00:12:10: Die Melodie in Johann Anastasius Freilinghausens wurde in seinem geistreichen Gesangbuch erweitert und aufgenommen und erhielt dort die heute bekannte Form.
00:12:27: Sie wurde mit dem Text von Bartolemius Crasilius verbunden und der Text hieß damals, dir die Jehova will ich singen.
00:12:35: Und wurde später verändert.
00:12:39: Im zwanzigsten Jahrhundert wurde aus dem Wort Jehovau höchster ersetzt also dir die Höchste will ich sinken und das ist auch die heute gebräuchliche Fassung.
00:12:49: Eigentlich wurde der
00:12:51: Text
00:12:51: von Bogacki vorher vor szehnundneinzig auf eine andere Melodie gesungen.
00:12:56: Welche das war, habe ich aber nicht rausbekommen.
00:12:59: Es gibt leider dazu nur ungenaue Angaben und Quellen.
00:13:02: Mehrere hymnalogische Quellen geben an dass die Melodie hieß All Ehr und Lob aus dem Strasburger Kirchengesangbuch um Fünfzehnundvierzig.
00:13:13: Mehr weiß ich auch nicht dazu.
00:13:14: Jedenfalls wissen wir aber, dass sie sich sehr bald sechzehntonneunzig mit dieser Melodie von dir die Höchste oder dir oh je hova will ich singen verbunden
00:13:24: hat.
00:13:25: Worum geht es im Text?
00:13:27: Ursprünglich hatte das Lied volle vierzehn Strophen.
00:13:31: Die wurden aber so gut wie nie alle abgedruckt, sondern immer eine Auswahl und zudem in einer bearbeiteten Fassung war der Pfarrer Dichter- und Hypnologe Albert Knapp.
00:13:41: Heute hat sie acht Strophens unseres Gesamtes.
00:13:44: Ich habe mich mal kundig gemacht.
00:13:45: Der Albert KNAB war nicht nur Lieddichter und Pfarrers, sondern er gründete auch den ersten deutschen Tierschutzverein.
00:13:53: Für ihn war Tierschutz kein Nebenthema, sondern eine ausdruckristische Verantwortung für die Schöpfung.
00:13:59: Ist doch interessant was man so nebenbei mit erfährt?
00:14:03: Ja heute im EG hat das Lied
00:14:04: acht
00:14:05: Strophen und ist relativ nah am Original obwohl auch hier Bearbeitungen knapp erkennbar sind.
00:14:12: Schauen wir mal in die einzelnen Strophens hinein.
00:14:16: Strophe eins ist Martina liest doch mal vor
00:14:18: Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Mauer als treue Wächter stehen.
00:14:23: Die Tag und Nächte nimmer schweigen und die Getroß dem Feind entgegen gehen!
00:14:28: Ja deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker scharen zu
00:14:33: dir."
00:14:34: bringt.
00:14:35: Der Anfang des Liedes erinnert an den Anfang eines anderen heute vergessenen Lieds, das stammt von August Hermann Franke dem berühmten Hallensapiertisten und Gründer des hallischen Weisenhauses, den Bogratius Erkannte und Verehrte.
00:14:48: der Franke hat siebzehundert zwei ein Lied geschrieben dass mit den Worten beginnt wach auf du Geist der treuen Zeugen.
00:14:56: also nicht die ersten zeugen sondern der treue Zeugen.
00:15:00: ja Der Bogacki erinnert hier an die Anfangszeit des Christentums, die uns im neuen Testament ja geschildert wird als Phase großer charismatischer Begeisterung.
00:15:10: Denkt an das, genau!
00:15:12: Und als Zeit großemissionarischer Erfolge, als Zeit der Gütergemeinschaft.
00:15:16: alle teilten ihr Hab und gut miteinander heißt es da in der Apostelgeschichte – und an diese Zeit will Bogacky anknüpfen.
00:15:23: den Geist dieser Zeit ruft er herbei wach auf du Geist der ersten Zeugen Und er beschreibt detailliert und bildreich, was diese Zeugen ausmacht.
00:15:35: Sie stehen auf der Mauer, sie sind treue Wächter – da ist das Treu von Frankel!
00:15:40: Sie stellen sich dem Feind entgegen, sie rufen Tag und Nacht und zwar so laut und durchdringend dass es die ganze Welt ja durch Wald, durch Warbert und Völker dazu bewegt sich dem Geist zuzuwenden.
00:15:54: Und da wird auch klar, dass der Geist der ersten Zeugen damit Meinberg Gatsky den Heiligen Geist... Ich habe erst gedacht er meint sowas wie die Zeitstellung
00:16:03: ist ja
00:16:03: die Menschen am ersten Christen so.
00:16:05: wir reden ja vom Geister Weihnacht und wir meinen dann was das festzubringt.
00:16:08: aber das meinte nicht.
00:16:09: es ist wirklich hier im Sinne des heiligen Geistes gemeint also der Holy Spirit sozusagen.
00:16:16: ich hab dir jetzt mal kurz diesen Inhalt der ersten Strophe nochmal Paraphrasiert.
00:16:21: Du hast ja auch schon angedeutet, das ruft schon auch Fragen hervor.
00:16:25: Was ist das für eine Mauer auf der die Zeugen da stehen?
00:16:27: Da hab ich mich gefragt wer ist der Feind, den man sich entgegenstellen muss?
00:16:34: Ich sag dir mal wie es mir jetzt zusammen gereimt habe.
00:16:36: Ich vermute der Bogacki hat also eine Stadt vor Augen.
00:16:40: Es geht also um ne Stadtmauer.
00:16:42: Er spricht in Strophe sechs Jahr von Toren und wahrscheinlich ist doch Zion gemeint Also der Berg auf dem Und um den herum die Stadt Jerusalem gebaut ist.
00:16:51: Es geht also hier um Jerusalem als Sinnbild für die christliche Kirche und das ist ja durchaus eine verbreitete Vorstellung im Christentum.
00:16:59: Ja, der
00:16:59: fällt mir gleich einen.
00:17:00: Tochter Zion freudig oder das Lied wartet auf, hofft uns die Stimme.
00:17:04: da kommt dann vor, Zion hört die Wächter singen Genau!
00:17:08: Da ist jetzt Zion auch die Kirche, ne?
00:17:12: Also quasi nicht die wirkliche Stadt.
00:17:16: Unter der Strofe In unserem Wochenlied ist auch eine biblische Quelle angegeben.
00:17:20: Hier sah er ja zweiundsechzig und das passt, denn dort steht O Jerusalem ich habe Wächter über deine Mauern bestellt die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen.
00:17:30: also da haben wir auch dieses Motiv.
00:17:31: durchgängig wird gerufen.
00:17:33: Und wer ist der Feind?
00:17:35: Das war meine zweite Frage.
00:17:36: danke dass du noch mal daran erinnerst.
00:17:38: Ich denke in Bogackis Vorstellung ist der Satan der fein.
00:17:42: Der wird dann auch nochmal ausdrücklich hast du auch schon gesagt in Strophe Vier erwähnt.
00:17:53: Wir sind noch bei Strophe Eins und ich möchte noch eine Beobachtung mit dir teilen, weil die das ganze Lied prägt.
00:17:58: Es geht bogatski nämlich um die Mission der ganzen Welt.
00:18:02: auch das hast du schon gesagt Martina erzielt so ins Universale also deren Schall die ganze Welt durchdringt heißt es in Strophe eins und aller Völgerschaden zu dir bringt, also alle Völker.
00:18:15: Er will dass alle Menschen aus allen Ecken der Welt für den Glauben entbrennen und sich dem Heil zuwenden das es im Glaubem an Jesus Christus
00:18:24: gibt.".
00:18:25: Das wird aber nicht nur in ersten Strufe deutlich sondern es geht auch in den anderen Stufen weiter.
00:18:31: Strophe zwei lese ich mal Und möchte es doch in alle Lande gehen, alle Landen.
00:18:40: In Strophe drei kommt die Zeile vor.
00:18:43: O siehe wie an allen Orten sich Deine Kinderherz und Sinn bewegt.
00:18:48: Strophe vier.
00:18:56: Bo Gatski denkt groß!
00:18:58: Alle Welt soll sich der Kirche anschließen dass das schnell geschieht.
00:19:02: Ich finde, das wird vor allen Dingen in der fünften Strophe sehr deutlich, denn die ist voller Ausrufezeichen – ich lese mal vor!
00:19:08: Ach, daß die Hilf aus Zion käme Und daß dein Geist so wie dein Wort verspricht Dein Volk aus dem Gefängnis nehme.
00:19:17: Oh, wird es doch nur bald Vorabendlicht.
00:19:21: Ach reiß oh Herr den Himmel bald in zwei und komm herab zur Hilfe und mach uns frei.
00:19:29: Vier Ausrufe zeichnen, drei.
00:19:31: O ist zweimal das Wort bald in dieser Strophe.
00:19:34: Das ist doch sehr drängend so.
00:19:36: Es erinnert mich auch an andere Lieder die so beginnen mit diesem Ohrruf, oh Highline Dreyes Die Himmel.
00:19:41: Ja, das ist auch so ein drängendes Sehnsuchtslied.
00:19:44: In der fünften Strophe sehe ich gerade heißt es und wird es doch nur bald vor Abendlicht.
00:19:51: aber das verstehe ich nicht.
00:19:52: Also ich denke dass das der Abend der Welt ist also der Weltuntergang sozusagen.
00:19:56: dazu muss man wissen.
00:19:57: Im Piatismus war die Vorstellung verbreitet, dass wir in der Endzeit leben.
00:20:01: Dass also das Ende der Welt und die Ankunft von Gottes neuer Herrschaft ganz nahe sind.
00:20:06: Johann Albrecht-Bengel oder auch der Herrn-Huter-Piatismus waren soweit ich weiß Vertreter dieser Ansicht.
00:20:14: Ich möchte sich das ganze Lied durchgehen.
00:20:16: Wir haben ja auch schon überall mal reingegriffen, ich will nur erwähnen dass die biblischen Haftpunkte im Text sehr stark sind.
00:20:23: also es gibt wirklich viele biblische Bezüge.
00:20:26: mal so eine kleine Auswahl.
00:20:27: Strophe eins das haben wir schon angeschaut greift eine Stelle aus dem sechsten Kapitel des Jesaja Buches auf.
00:20:34: In Strophe zwei klingt Matthäus neun an.
00:20:37: Die Aussendungsrede Jesu habe ich vorhin schon erwähnt, die auch einer der Predigtekste an diesem Sonntag ist.
00:20:43: in Strophe fünf kann man wieder Jesaja heraushören.
00:20:48: Ach Reis oh Herr den Himmel bald in zwei formuliert Bogacki.
00:20:52: und bei Jesaja lesen wir am drei sechsten Kapitel ach dass du den Himmel zerrissest und führst
00:20:58: herab.".
00:21:00: Das uchtte ja die biblische Vorlage.
00:21:01: übrigens für Ohiland reist die Himmel auf.
00:21:04: Und Strophe sechs beginnt mit der Bitte.
00:21:06: Ach, lass dein Wort recht schnell laufen und das bezieht sich auf ein Pferd aus Psalm hundred siebenund vierzig.
00:21:13: Gott sendet seine Rede auf die Erde, sein Wort läuft schnell.
00:21:18: Ich hab auch mal einen Buch dazu.
00:21:19: hieß ne?
00:21:20: Das
00:21:20: Wort läuft.
00:21:21: ist das zum Kinderbuch mit biblischen Geschichten also biblischem...die biblichen Kerngeschichte.
00:21:28: Ein großes Thema bei dem Lied ist übrigens das Verhältnis zu unseren jüdischen Glaubensgeschwistern.
00:21:32: Ja, das ist mir oft schon aufgefallen.
00:21:34: Da steht ja in Strophe sechs der Satz Ja, wecke dein Volk Israel bald auf.
00:21:40: Ursprünglich lautet die Formulierung sogar Ja weg doch ... Nee, Ja weg, doch auch Israel baldauf!
00:21:47: Das ist jetzt schon ein bisschen besser am aktuellen Gesangbuch weil es da heißt Dein Volk, ne?
00:21:53: Also
00:21:53: Israel is Gottes Volk und... Ja weg
00:21:54: dein Volke Israel bald Auf genau.
00:21:57: Aber man wird natürlich jemand auch fragen können ob wir das noch so vertreten wollen dass Israel missioniert werden muss.
00:22:03: Ich schließe mich da lieber dem Neutestamentler Jens Schröter an, für den ich übrigens einmal kurz als hivige gearbeitet habe.
00:22:10: Grüße gehen raus!
00:22:12: Jens Schroeder sagt zu diesem Thema es gibt einen je eigenen der jeweiligen Glaubensüberzeugung entsprechenden Ort von Christentum und Judentum innerhalb der Verheißungsgeschichte Gottes.
00:22:26: Spannend viel ... Jetzt atmen wir mal durch, säufzen und gucken was es spannend ist zur Melodie zu sagen gibt.
00:22:36: Ich ordne sie mal so musikhistorisch ein bisschen ein.
00:22:39: also sie gehört in die Frühzeit des Piatismus das hört man auch.
00:22:43: Die ist weniger festlich und barock als viele lutterischen Karelle des siebzehnten Jahrhunderts eher innig beweglich und auch sehr persönlich.
00:22:54: Pietismus ist ja auch mein persönliches Jahr und das passt, finde ich ganz gut zu diesem Text.
00:23:00: Was macht sie aus?
00:23:01: Viele größere Tonsprünge an den Zeilen anfängen gleich am Anfang.
00:23:06: Na na wach au!
00:23:09: Eine Quarte
00:23:10: tatü tatá Ganz belebt wie ein Weckruf.
00:23:14: Komm mit Bewegung dann... bewegt sich die Melodie nach dem Start teilweise schrittweise, springt aber auch immer wieder nach oben und unten meistens auch mit diesen Quartspringen irgendwo an den Beginn von Zeilen.
00:23:28: Wir steigen wirklich.
00:23:29: zunächst gehen wir erstmal runter bis zu dem B also na na da kommt dieser Quatschpunkt dann gehen wir erst mal abwärts um dann von ganz tief unten über eine ganze Oktabe mit einer großen Atempause in der zweiten Zeile nach oben aufzusteigen.
00:23:46: Also das ist für mich so was wie bildlich umgesetzt, auf einen Berg klettern und es passt doch auch einfach auf du Geist der ersten Zeugen die auf der Mauer als treuer Wächter stehen.
00:23:56: Das ist ja irgendwie drüber.
00:23:58: sie müssen ja ein Überblick haben.
00:23:59: Im zweiten Teil nach der Wiederholung verstärkt sich dieses Erheben in der Melodie.
00:24:05: Die Melodie springt nämlich komplett in eine neue Lage Und die ist natürlich höher als die vorhergehende.
00:24:11: Und ich habe das Gefühl, jetzt ist man wirklich oben angekommen und man steht da oben und weit.
00:24:16: Das Echo ruft die Melodie in höchsten Tönen.
00:24:19: Das passt ja so gut zu der Textintention, deren Schall die ganze Welt durchdringt.
00:24:24: Die Spitzen-Töne waren erreicht.
00:24:25: Die sind auch richtig hoch hier.
00:24:27: Es ist ein S notiert im evangelischen Gesangbuch.
00:24:31: Das ist wirklich somit das Höchste was man singen kann im Gemeindegesang mit unseren herzigen Stimmen.
00:24:38: Und dann laufen wir bei und aller Welt in Schaden zu, dir bringt abwärts aus dieser hohen Lage und kommen wieder an.
00:24:44: Aber nicht ganz unten wo wir begonnen haben sondern in der Mittellage beim B. das war der Zielpunkt des ersten Quartesprungen.
00:24:52: Das erste mal.
00:24:52: du bist doch jetzt geweckt Katrin muss nicht nochmal ganz von unten anfangen.
00:24:57: Es ist eine Form eines typischen Chorals in der klassischen Barefum, so sagt man AAB.
00:25:03: Also erster Stollen A dann Wiederholung und ein längerer Abgesang Und die Melodie hat etwas lebendiges Werbendes in einer Durtonalität.
00:25:14: Ich finde sie klingt nicht nach Kampfansage So wie der Text ist eher formuliert.
00:25:20: Sondern für mich ist das eher mal so eine fröhliche Gebetsmelodie.
00:25:25: Ich finde auch, dass sie musikalisch die Schärfe des Textes ein bisschen abmildert.
00:25:30: Meine Theorie, die Melodie evangelisiert weniger als der
00:25:33: Text
00:25:35: und nett gesungen wirken auch bestimmte Kampfbegriffe und dieser Missionspatus.
00:25:42: das Lied ist irgendwie deutlich mit fühlender Zartor abgemilderter.
00:25:48: Vielleicht geht es deshalb, dass ich diesen Text gut singen kann.
00:25:51: Aber wenn ich hier zu sprechen müsste in einem Gebet würde schon Schwierigkeiten kommen.
00:25:57: Das Lied steht zum Schluss im Gesangbuch als Eröffnungslied in der Rubrik-Sammlung und Sendung.
00:26:03: Ich finde interessant, dass das das Eröffnungslied geworden ist.
00:26:06: Ich würde mich sehr gerne mit denen Gesangbuch machen und unterhalten warum das dieses Leitlied geworden
00:26:12: ist?
00:26:12: Ich denke, das war früher viel populärer als heute.
00:26:15: Also, ja.
00:26:16: Man könnte es auch der Rubrik Gottes Wort zuordnen und mein Fazit ist ich werde's nicht zu meinen Lieblingslieder zählen aber das liegt auch wirklich dran dass es eine Frömmigkeitswelt ist die nicht zum mir passt, die nicht meine ist.
00:26:33: Ich höre schon zwischen den alten Worten eine Bitte die wirklich auch heute gerufen werden muss gesungen werden muss dass Gottes Geist Menschen bewegt amunter in Bewegung setzt.
00:26:44: Also ich würde sagen, ich kann nicht jede Zeile des Liedes mit unterschreiben.
00:26:47: Aber das geht mir bei manchen Liedern auch so – auch bei neueren Liederen, dass ich nicht bei allem mit kann und trotzdem kann ich das Lied mitsingen.
00:26:54: Manchmal genügt es einfach sich da dran zu reiben und dabei entdecken was das Lieder noch zu sagen hat.
00:27:01: Das ist ja auch ein Ziel unseres Podcasts!
00:27:04: Wir legen nicht einfach schnell weg sondern wir eröffnen wirklich jedes Lied, Würde und Respektvoll und gucken ganz tief rein Und unsere Schlüsse sind ja auch nicht allgemein gültig.
00:27:14: Das sind unsere Schlüße, die wir ziehen.
00:27:15: Unsere Hörerinnen und Hörern können das ganz anders
00:27:18: sehen.
00:27:18: Genau!
00:27:19: Wenn ihr das ganz anderes seht könnt ihr uns gerne eine E-Mail schreiben oder einen Kommentar hinterlassen.
00:27:24: Erfreuen wir uns.
00:27:27: Bald hören wir uns wieder.
00:27:28: Bis dahin alles Gute.
00:27:30: Tschüss macht's gut.
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