Mein Seel, o Herr, muss loben dich (EG 308)
Shownotes
Heute haben wir ein ganz besonderes Lied zu einem ganz besonderen Festtag für Euch dabei. Es geht um den "Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth" oder um "Mariä Heimsuchung", wobei es nicht Maria ist, die heimgesucht wird, sondern Maria sucht heim. Das passende Lied dazu hat Erasmus Alber geschrieben. Die Melodie wurde wohl von Bartholomäus Gesius komponiert.
Lasst Euch überraschen und verzaubern.
- Wikipedia zu Erasmus Alber
- Wer war Bartholomäus Gesius?
- Das tolle Projekt "Exegese für die Predigt" informiert über den biblischen Text, der dem Lied zugrunde liegt.
Unser Episodenbild heißt Mariä Heimsuchung und stammt von Giotto di Bondone. Er hat es um 1305 herum gemalt.
Hinweise zu Mitwirkenden und den Einspielungen in dieser Episode gibt es unter www.wochenliederpodcast.de.
In der Folge ist eine Einspielung des Liedes aus dem Album „Missa“ von Alexandra Hartmann zu hören. Außerdem „Lieder vom Glauben“ der Württembergischen Landeskirche. Wir danken für die Erlaubnis, die Aufnahmen verwenden zu dürfen.
Habt Ihr Lust beim Promotionsprojekt von Jana Langkop mitzumachen? Dann schreibt bitte eine Email mit dem Betreff "Wochenliederpodcast" an: jana.langkop@stu.uni-kiel.de
Hier sind noch einige Informationen zum Projekt:
Jana Langkop ist Doktorandin in der Praktischen Theologie, CAU Kiel
Ihr Forschungsthema: digitale Angebote der Kirche und deren Nutzung
Worum geht’s? Um Eure Nutzung des Wochenliederpodcasts. Ihr seid schließlich Expertinnen und Experten auf diesem Gebiet
Wie funktioniert das? In Form einer Gruppendiskussion mit anderen Hörern, sodass Ihr Euch auch untereinander austauschen könnt.
Wie und wo treffen wir uns? Alle, die mitmachen wollen, werden gemeinsam einen Termin verabreden und sich auf der Plattform Zoom treffen (dafür braucht man keinen Benutzeraccount). Das Gespräch wird etwa 60-90min dauern.
Was passiert mit meinen Aussagen? Das Gespräch wird für die Auswertung aufgezeichnet. Selbstverständlich wird alles, was Ihr dort sagt, vertraulich behandelt und pseudonymisiert, sodass von Dritten keine Rückschlüsse auf Eure Person möglich sind.
Wenn ich noch weitere Fragen habe? Für Fragen steht Jana Langkop selbstverständlich zur Verfügung. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, Eure Zustimmung wieder zurückzunehmen und Ihre Antworten und Daten aus der Studie entfernen zu lassen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Heute haben wir ein ganz besonderes Lied zu einem ganz besonderen Festtag für euch dabei.
00:00:05: Ein Lied, das ich noch nicht gehört oder gesungen habe – vor der Aufnahme natürlich!
00:00:11: Das Lied hat aber einen ganz eigenen Charme und eine ganz eigene Schönheit.
00:00:15: Willkommen beim Wochenlieder Podcast.
00:00:24: Bei Wochenlieder-Podcast unterhalten sich jede Woche zwei Personen über ein Kirchenlied, eine Kirchenmusikerin und eine Pfarrerin.
00:00:32: Die Pfarrerin bin ich Katrin Metter aus der Kopfsteinpflasterstadt Meißen
00:00:36: Und Martina Hergth, Kirchmusikerinnen aus der Weltstadt Leipzig.
00:00:41: Mein Seeloherr
00:00:43: muss lobendig Du bist mein Heil.
00:00:48: des freue ich mich nicht.
00:00:51: fragst nach Irtscher Brach.
00:01:50: Heute reden wir über das Lied, Mein Seel o Herr
00:01:53: muss logen Dich.
00:01:55: Es steht
00:01:55: im Gesangbogen
00:01:56: unter der Nummer den Text mit Erasmus Alba geschrieben abgesehen von der letzten Strophe
00:02:04: und die Melodie
00:02:05: wurde wohl von Bartolomeos Gesius
00:02:08: komponiert.
00:02:44: Diese wunderbare Liedfassung hat Alexandra Naumann eingesungen.
00:02:49: Wer genau zuhört, hat sicher gemerkt dass manch kleine Wendung im evangelischen Gesangbuch etwas anders notiert ist.
00:02:56: aber das ist gar nicht schlimm!
00:02:58: Das ist künstlerische Freiheit.
00:03:00: wir fanden die Einspielung jedenfalls so schön, dass wir sie euch unbedingt präsentieren wollten.
00:03:07: Nun zum Lied.
00:03:10: Es ist das Wochenlied für den zweiten Juli, für den Tag des Besuchs Marias bei Elisabeth.
00:03:17: Manchmal wird der Tag auch Maria Heimsuchung genannt, wobei es nicht Maria ist die heimgesucht wird sondern Maria sucht Heim und für die Freundin der lateinischen Sprache habe ich noch zwei lateinische Bezeichnungen dieses Festtages.
00:03:30: manchmal wird's einfach die Visitation Marie genannt oder auch Festum in Visitatione Beate Marie-Virginess.
00:03:40: Hören wir uns doch einmal die biblische Geschichte an, um die es an diesem zweiten Juli geht!
00:03:45: Ich führ kurz ein... Wir sind bei Maria der Mutter Jesu und die hat eben vom Engel Gabriel erfahren dass sie schwanger werden wird und einen Sohn auf die Welt bringen wird den sich Jesus nennen soll.
00:03:58: Und dann geht es noch um Elisabeth, ihre Kusine.
00:04:02: Die ist schon älter aber trotzdem auch Schwanger mit einem Sohn der Johannes heißen wird.
00:04:08: und auch diese Schwangerschaft hat er selber Engel angekündigt allerdings nicht Elisabet sondern ihrem Mann Zacharias.
00:04:18: Was nun passiert?
00:04:19: Hört ihr jetzt von Martina und zwar in der Fassung der Basispiebel!
00:04:34: Bald danach machte sich Maria auf den Weg.
00:04:38: So schnell sie konnte, wanderte sie zu einer Stadt im Bergland von Judea.
00:04:45: Dort ging sie in das Haus von Sarrias und begrüßte Elisabeth.
00:04:50: Als Elisabet den Gruß von Maria hörte, sprang das Kind vor Freude in ihrem Bau.
00:04:57: Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme Gesegnet bist du unter allen Frauen und gesegnest das Kind in deinem Bauch.
00:05:08: Wie komme ich zu der Ehre, dass die Mutter meines Herrn mich besucht?
00:05:13: Als ich deinen Gruß hörte sprang das Kind vor Freude in meinem Bauch!
00:05:19: Glückselig bist Du denn Du hast geglaubt was der Herr versprochen hat geht in
00:05:24: Erfüllung.".
00:05:27: Da sprach Maria, Ich lobe den Herrn aus tiefstem Herzen.
00:05:33: Alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter.
00:05:38: Denn er wendet sich mir zu, obwohl ich nur seine unbedeutende Dienerin bin!
00:05:44: Von jetzt an werden mich alle Generationen glückselig preisen, denn Gott der mächtig ist hat Großes an mir getan.
00:05:53: Sein Name ist Heilig.
00:05:56: Er isst damherzig zu denen die ihm Ehre erweisen von Generation zu Generation.
00:06:02: Er hebt seinen starken Arm und fegt die Überheblichen hinweg.
00:06:08: Er stürzt die Machthaber vom Thron, und hebt die unbedeutenden Empor.
00:06:14: Er füllt den Hungern die Hände mit guten Gaben und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.
00:06:23: Er kommt seinem Diener Israel zu Hilfe und erinnert sich an seine Barmherzigkeit!
00:06:31: So hat er es unseren Vorfahren versprochen, Abraham und seine Nachkommen für alle Zeit.
00:06:40: Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth dann kehrte sie nach Hause zurück.
00:07:03: Ich habe dir mal ein Zitat mitgebracht liebe Martina zu diesem Text genauer gesagt zu dem Lied dass Maria hier singt also zum sogenannten Magnifikat.
00:07:12: so wird das Lied ja genannt.
00:07:14: dieses Zitat stammt von Dietrich Bonn Höfer.
00:07:17: Er schreibt über das Magnifikat, dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste – ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, dass je gesungen wurde.
00:07:32: Es ist nicht die sanfte zärtliche verträumte Maria wie wir sie auf Bildern sehen sondern es ist die leidtschaftliche hingerissene stolze begeisterte Maria, die hier spricht ein hartes starkes Unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herrn dieser Welt, von Gottes Gewalt und der Menschen Ohrenmacht.
00:07:58: Das Magnifikat ist ja eigentlich der Predigtext am vierten Advent aber es gehört eben auch zum zweiten Juli.
00:10:05: So liebe Martina.
00:10:05: jetzt reden wir erstmal über Erasmus Alba den Texte des Lides über den gäbe Es viel zu sagen.
00:10:11: ich könnte unzählige berufliche Station seines Lebens aufhören das wäre aber denke ich zu ermüdend, deswegen wir machen es relativ kurz.
00:10:21: Geboren ist Erasmus Alba um Fünfzehnhundert als Sohn des katholischen Priesters Thielemann-Alber in Bruchenbrücken – das ist in Hessen!
00:10:31: Der Vater war katholischer Priester, aber er konvertierte später zur evangelischen Konfession.
00:10:36: Sein Sohn Erasmuss begann zunächst ein humanistisches Studium in Mainz und immatrikulierte sich Fünftzehnundzwanzig an der Universität Wittenberg um Theologie zu studieren.
00:10:48: Hier gehörten unter anderem Martin Luther und Andreas Bodenstein zu seinen Lehrern.
00:10:54: Fünfzehnzwanzig hat er angefangen, zum Doktor der Theologie wurde er allerdings erst fifteenhundertdreiundvierzig promoviert.
00:11:03: Er war zweimal verheiratet und er hat ein relativ unstehtes Leben geführt.
00:11:07: also er war Fahrer in Rothenburg ob der Tauber und den Magdeburg, er war superintendent in Neustadt Brandenburg.
00:11:16: Er führte die Reformation in Küstrin ein und betätigte sich auch als Visitator.
00:11:22: Er hat sich dauernd zerstritten mit den Magistraten der Städte, in denen er arbeitete oder mit den Grafen, die ihn angestellt hatten – das ist wirklich auffällig!
00:11:31: Er war offenbar jemand, der mit Kritik nicht hinter dem Berg hielt.
00:11:35: Zum Beispiel war er auch einen scharfer Kritiker des Augsburger Interremes.
00:11:43: Und er ist fünfundunddreiundfünfzig an einer Halserkrankung gestorben.
00:11:50: Lukas Kranach hat ihn übrigens in einem Gemälde verewigt, das gemälder heißt die Auferweckung des Lazarus hängt im Nordhausen und Bach hat ein seiner Gedichte vertont.
00:12:02: Hans Sachs hat sich von seinen Fabeln inspirieren lassen.
00:12:05: der scheint schon recht bedeutend gewesen zu sein.
00:12:08: Ja wie steht es mit?
00:12:09: Bartolomäus Gesius war ja auch so bedeutand.
00:12:13: Er wurde in Münchenberg in Brandenburg geboren.
00:12:17: Er studierte Theologie an der Universität Frankfurt, an der Oder und wirkt zunächst auch als Kantor dort in seiner Heimatstadt.
00:12:27: Später arbeitete er als Lehrer- und Musikeraufschluss Muskao.
00:12:32: Kennst du das?
00:12:33: Ja ganz schönes Anwesen!
00:12:36: Bevor er in Frankfort an der Order wurde.
00:12:41: Und dort war er auch gleichzeitig Lehre an der Ratsschule.
00:12:45: Warum bedeutend?
00:12:46: Gesius war nicht nur Kirchenmusiker, sondern wirklich auch Komponist zahlreichster geistlicher Werke.
00:12:53: Er schrieb Passionen, Motetten, Messvertonung, Chorsätze für den Gottesdienst und ich würde es so beschreiben seine Musik steht an der Schwelle zwischen Renaissance und Frühbarock und er verband kunstvolle Mehrstimmigkeit aber auch mit einer großen Nähe zum Gemeindegesang.
00:13:10: Also der konnte alles einfach und kompliziert.
00:13:14: Jesus hat unserem Lied eine Vertonung geschenkt, überhaupt spielt in seinem Schafen das Thema biblische Vertonungen eine große Rolle.
00:13:26: Er starb XVI, während einer Pestepidemie in Frankfurt an der Ode.
00:13:32: Und er gehört wirklich zu den Großen des musikalischen Erbes der evangelischen Kirchenmusik.
00:13:39: Wir begegnen Gesios im evangelischen Gesangbuch mit einigen Liedern.
00:13:44: Zum Beispiel, ach bleibt bei uns Herr Jesu Christ.
00:13:47: oder mir nachsprecht Christus unser Held?
00:13:50: Oder befiel du deine Wege?
00:13:53: Also es ist kein unbekannter evangelischer Liedautor.
00:13:58: Willkommen zum Liedtext!
00:14:01: Das Lied hat ja jetzt zehn Strophen.
00:14:05: Es hat elf
00:14:06: Strophens.
00:14:07: Die elfte Strophe ist ja erst später dazugekommen und ganz ursprünglich also als der Alba nur den Text geschrieben hat, hatte das Lied nur fünf Strophen.
00:14:20: Diese Teilung in die zehn Strophens geschah erst als die Melodie dazu kam.
00:14:24: zum Text.
00:14:25: Das heißt wenn wir uns jetzt mit dem Text beschäftigen müssen wir eigentlich immer auf Doppelstrophen schauen.
00:14:30: Also Strophe eins und zwei gehören zusammen, Strophe drei und vier usw.. Der Liedtext folgt dem Magnifikat.
00:14:37: Man kann sagen, das Magnifikat ist fast komplett im Lied Text aufgegriffen und es bedeutet ein Gotteslied.
00:14:43: Es geht im biblischen Magnifikat um Gott und in unserem Lied eben auch.
00:14:47: Maria selber kommt nur am Anfang des Liedes vor und eigentlich nur als Beispiel dafür wie Gott ist und wie er handelt.
00:14:53: Und wie ist er?
00:14:54: Er ist ein Highland!
00:14:55: Also so haben wir's in der... Lotho-Übersetzung des Magnifikat im Ohr.
00:14:59: Im griechischen steht da wirklich, er ist ein Retter!
00:15:02: So hat es auch die Basisbibel übersetzt.
00:15:05: und Gott ist ein Retter dessen Macht nicht ihm selber dient sondern anderen so gut kommt.
00:15:11: Gottes Macht erweist sich im Gegenüber zu den niedrigen Menschen wie Maria.
00:15:19: Gemeint sind da im biblischen Kontext nicht unbedingt ökonomisch schlechter gestellte Menschen, sondern man würde heute modern sagen marginalisierte Menschen zum Beispiel Frauen.
00:15:28: Gottes Rettermacht entfaltet sich aber auch im Gegenüber zu menschlichen Überheblichkeiten also nicht nur zu den niedrigen, sondern auch zu denen die mehr vorgeben oder sich für besser halten als andere.
00:15:41: und wenn sie der menschliche Überhebligkeit gegenüber tritt bekommt sie die Gestalt des Gerichts wird vorurteilt
00:15:49: Maria singt Gott hebt seinen starken Arm und fegt die Überheblichen hinweg.
00:15:55: Er stürzt die Machthaber vom Thron, und hebt die unbedeuteten
00:15:59: Empor.".
00:16:00: Das war der Wortlaut aus der Basisbibel.
00:16:03: Und in der Lutter-Übersetzung klingt das so, also Lutter twohntosundseventeen ...
00:16:18: Und bei Erasmus Alba.
00:16:20: im Lied heißt es, der Menschen Hoffat muss vergehen.
00:16:25: Mag nicht vor Deiner Hand bestehen!
00:16:27: Wer sich verlässt auf seine Pracht dem hast Du bald ein End
00:16:31: gemacht.".
00:16:32: Wir springen jetzt immer so ein bisschen hin und her zwischen dem biblischen Magnifikat und dem Liedtext und nochmal zurück zum biblischem Magnifikat was da auffällt.
00:16:40: Da wird der Lobpreis Gottes zurückgebunden an die Verheißungen, die Gott Abraham und sein Nach.
00:16:47: gegeben hat.
00:16:49: Auf diese Weise macht die Bibel deutlich, dass diese Machtergreifung Gottes um die es im Magnifikat geht nicht nur neu und revolutionär ist – das ist sie schon auch aber sie ist auch zugleich uralt!
00:16:59: Sie ist eigentlich die Erfüllung der göttlichen Verheißung, die es schon lange vor Maria und vor Jesus und vor Elisabeth gegeben
00:17:07: hat.".
00:17:07: In der Basis Bibel klingt er so... So hat er es unseren Vorfahren versprochen, Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeit.
00:17:28: Und in
00:17:38: unserem Wochenlied für das Fest Marie Heimsuchung lesen und hören uns singen wir Das tust du Herr zu dieser Zeit, Gedenkes der Barmherzigkeit.
00:17:51: Israel willst Du Hilfe tun durch Deinen auserwählten Sohn!
00:17:57: Wir haben es nicht verdient um Dich, dass Du mit uns fährst knädiglich.
00:18:02: Zu unseren Vätern ist geschehen ein Wort – das hast Du angesehen.
00:18:08: Auch Abraham hast Du geschworen, dass wir nichts sollten.
00:18:11: sein verloren und zugesagt das Himmelreich und unseren Kindern
00:18:16: ewiglich.".
00:18:18: Ich finde an dieser Stelle merkt man, dass Alba das Magnifikat zwar komplett aufgenommen hat.
00:18:23: Dass er sich aber irgendwie auch frei fühlte, das eine oder andere hin zuzufügen oder zu interpretieren.
00:18:28: Ich nenne dir mal drei Dinge die Alba ins Magnifikat einträgt.
00:18:32: Das erste in der Stelle, die du gerade vorgelesen hast... Da war ja irgendwie die elutterische Rechtfertigungstheologie mit Händen zu greifen.
00:18:39: Wir haben es nicht verdient, um dich das du mit uns fährst gnädiglich.
00:18:44: Das klingt zwar sehr altotürmisch aber gemeintes Jahr.
00:18:47: ohne unser Verdienst hast Du uns da in die Erlösung
00:18:49: gescheint.".
00:18:50: Das ist so eine erste Eintragung – die zweite.
00:18:54: Aber spricht Gott die ganze Zeit als Gegenüber an?
00:18:58: Maria beschreibt Gott und seine Rettermacht.
00:19:02: Albert duzt Gott sozusagen, also Beispiel.
00:19:05: Maria sagt im biblischen Magnifikat Gottes Barmherzigkeit wäre es für und für bei denen die ihn fürchten.
00:19:11: Und wie macht's Alba in Strophe vier?
00:19:13: Du bist barmherzig ins Gemeinden dem der dich herzlich fürcht allein und hilfst den Armen immer da wenn er muss leiden groß gefahren
00:19:21: ist.
00:19:21: Im Dialog mit Ja, und ein Drittes im Gegensatz zum biblischen Lied redet Alba an vielen Stellen nicht nur von niedrigen sondern von Armen.
00:19:32: Und damit meint er auch marginalisierte Menschen also die Gruppe die da in der Bibel thematisiert wird.
00:19:39: Er hat aber tatsächlich auch ökonomische Armut im Sinn und sogar Menschen die sich in Gefahr befinden.
00:19:46: Also in der vierte Strophe formuliert er ja du hilfst dem Armen immer dar wenn er muss leiden groß gefahren.
00:19:53: Daran merkt man, Albert führt nicht nur die Armen ein.
00:19:58: Er interpretiert die Niedrigen aus dem Magnifikat als Arme und er unterlegt diesen Begriff sogar eine dreifache Bedeutung.
00:20:05: Was der Albert aber nicht aufgegriffen hat ist der Kontext übrigens des Liedes.
00:20:10: Dass das Mädchen Maria dieses Lied anstimmt, es eigentlich nicht deutlich in seinem Liedtext und das führte übrigens dazu dass das Lied schon sehr früh so verändert wurde.
00:20:20: Dass das Lyrische ich ein männliches Ich ist.
00:20:22: Martina liest doch mal Strophe eins in der Fassung des EG, bitte noch einmal vor!
00:20:28: Mein Seel, oh Herr, muss loben dich?
00:20:31: Du bist mein Heil, das freue ich mich, dass du nicht fragst nach weltlich Pracht und hast mich arme Nicht verach.
00:20:39: Und statt Micharme hieß es – quasi schon bald, nachdem er das Lied geschrieben hatte Mich armen.
00:20:47: Das war noch bis ins EKG hinein so, also ein Vollläufer vom EK.
00:20:51: Nicht mich armer sondern mich armen!
00:20:54: Mich Armen-Mensch könnte man sagen.
00:20:56: oder eben männlich?
00:20:58: Mensch gleich männlich.
00:21:02: Die Melodie von Bartoloméos Gesius erschien in seinem Enchiridion etlicher deutscher und lateinischer Gesänge eine Buchausgabe Und sie ist heute evangelischen Gesangbuch Eigentlich in einer Gestalt überliefert, die durch eine Bearbeitung von Michael Pretorius.
00:21:24: Ich finde die Melodie sehr schön das gleich zu beginnen.
00:21:29: sie lässt sich allerdings nicht ganz so schnell singen wenn man nicht Noten lesen kann weil es ein bisschen ungewöhnlich fremd für unsere heutigen Ohren ist.
00:21:38: Für Menschen in der Renaissance war das gar kein Problem.
00:21:41: Aber so ist das immer, wenn etwas fremd und ein bisschen ungewohnt ist.
00:21:44: Heißt ja nicht dass es kompliziert ist, man braucht einfach nur ein bisschen Zeit um sich einzusingen und einzuhörenden.
00:21:50: Leider wird das Lied einfach selten gesungen.
00:21:54: Die Melodie ist in Moll, in G-Moll notiert.
00:21:57: Anfang und Schluss.
00:21:58: Zeile tragen das mit.
00:22:01: Sie sind auch im Moll die beiden Mittelzeilen.
00:22:03: Die brechen harmonisch ein bisschen aus.
00:22:06: da geht es eher nach B-Dur.
00:22:08: also da klingen wirklich Durharmonien an.
00:22:11: B-Dwar und G-Moll stehen aber in einer Beziehung zueinander.
00:22:16: In der Musiktheorie heißt das, B-dwar ist die parallele Durtonart zu G-moll.
00:22:23: Alles schwingt in einem Dreiertakt.
00:22:27: Im Gesangbuch ist es mit einem Sechsvierteltakt notiert.
00:22:31: alles ist ganz regelmäßig.
00:22:33: Das bietet Sicherheit.
00:22:35: also viermal der gleiche Rhythmus jede Zeile.
00:22:37: es ändert sich eigentlich gar nichts.
00:22:40: Es werden nur zwei Arten von Noten, werden verwendet halbe und viertel.
00:22:45: Auch das macht es irgendwie einfach sich zu orientieren!
00:22:48: Und die ersten drei Noten jeder Zeile, die wirken wie ein Auftakt.
00:22:55: Mein Seel oh Herr muss loben dich.
00:22:59: Und dieser Auftakt mein Seel Oh Herr Das führt natürlich auf den ersten Schwerpunkt auf das Wort her.
00:23:05: überhaupt treffen wir dann bei den betonten Zeilen immer wieder wichtige Worte, Herr, Heil und so weiter.
00:23:11: Also die Melodie passt wirklich stimmig dazu!
00:23:16: Die höchsten Tonlagen finden wir in dem zweiten und dritten Zeile vor eigentlich nach Zweiten bis zum D II vom D I also ein ganzer Oktare und der höchste Ton wird bei dem Wort der ersten Strophe Heil erreicht.
00:23:34: Analytisch sagt man, die Melodie steht in einem langen Metrum.
00:23:38: Immer acht, sieben jede Zeile und alles was ich genannt habe, die Regelmäßigkeit, dieser wunderbare Auftakt... Alles ist der gleiche Rhythmus.
00:23:54: Das das ist auch gerade die Stärke dieses Lieds.
00:23:58: Ich würde sagen Sie irgendwie unscheinbar, die drängt sich nicht in Vordergrund, sondern sie trägt wirklich den Text.
00:24:06: Also musst du dir vorstellen bei vielen Magnifikat-Kompositionen das sind große kunstvolle Werke für Chöre entstanden und also wunderschöne Sachen.
00:24:15: aber was macht Gesius?
00:24:16: der nimmt diesen Text und macht einfach ein Lied für die Gemeinde draus?
00:24:24: Die Melodie ist ruhig, würde voll... nicht schwer singenbar, wenn man sich ein bisschen eingehört hat und sie verzichtet auf musikalischen Prunk.
00:24:35: Ja ich finde das super passend.
00:24:37: irgendwie wirklich so formulieren die Musik kommt ohne jede Selbstdarstellung aus.
00:24:42: Das passt auch total zum Inhalt des Magnifikatens.
00:24:46: Klasse!
00:24:48: Ja das Lied heute im Gottesdienst, wir hatten ja schon gesagt Wenn ich nicht zu Hause bin, wenn ich Lieder nicht oft singe fällt es mir immer schwer zu kennen, also ich am Muntere dieses Lied öfter anzustimmen, öfter zu singen.
00:25:02: Es geht auch gut mit der Gitarre zu begleiten.
00:25:04: Renaissance-Instrumente das war ja lauten gab es ja da ohne Ende.
00:25:10: Übrigens gibt's auf der Orgel auch einige Register die nach Renaissance klingen Also Flötenregister gedackt.
00:25:17: Das sind so Klänge von Plockflöten.
00:25:19: Die Plock-Flöte waren ganz wichtiges Instrument in der Renaissance, Rohrflöte, Spitzflöde, luftige Runderklangen ohne starke Upertöne.
00:25:28: oder man beginnt überhaupt... Man nimmt eine Sopranplockflötung und spielt diese Melodie als Vorspiel einmal an der Kirche dann noch einmal ein Durchgang mit Orgelbegleitung Dann das singt.
00:25:37: mal hat man sich gut eingehört und es passt absolut zur Entstehungszeit des Liedes weil die Flöte da ein weit verbreitetes und wichtiges instrument war.
00:25:47: Oder man nimmt sich auf der Orgel so Zungenregiste.
00:25:50: Das sind solche Renaissance-Plasinstrumente, die da emittiert werden – ich nenne mal ein paar Namen von solchen Registern – Grumhorn, Chalmai, Dulzian.
00:26:01: Wer danach gucken will, die stehen oft in Verbindung zu historischen Instrumenten und gerade welchen aus der Renaissancezeit.
00:26:09: oder das Rankett oder Regal, das hat so einen kurzen schnachigen Ton.
00:26:13: Das ist fast wie sie im Mittelalter-Jahrmarkt auch dass Dulziano die Trompete könnten in diese Klangwelt gehören.
00:26:20: Oder Renaissance hatte auch immer Rhythmus im Blut.
00:26:23: man ergänzt eine Fassung wenn das Lied gespielt wird mit Orgel und einem Schellenring habe ich übrigens schon gemacht oder eine Rahmentrommel oder so einer Schnarttrommel.
00:26:34: du weißt solche Schnarträume wenn man da drauf schlägt dann rattet es manchmal ein bisschen mit.
00:26:40: So bekommt die Melodie in diesem Dreiertakt wirklich einen schwingten und zusätzlich tänzerischen Puls.
00:26:47: Alles nicht kompliziert!
00:26:51: Der zweite Juli, genau da ist das Magnifikat dran und zwar ist es Evangelium-und Predigtext.
00:27:01: Und wenn man unser Lied an der klassischen Stelle des Wochenlides singt nimmt es quasi dann die Lesung vorweg.
00:27:07: Das kann man machen.
00:27:08: Man könnte das Lied aber auch ausnahmsweise einmal nach dem Evangelium platzieren oder vielleicht sogar an zwei Teile teilen, am Anfang Stofer eins bis vier und dann ... Oder eins bis sechs singen und dann am Ende den Rest.
00:27:23: Oder noch eine andere Idee, dass Magnifikat ist ja von der Form her in Psalm.
00:27:27: also singen wir es doch im Wechsel zwischen zwei Gruppen als Psalmlied am Anfang des Gottesdienstes.
00:27:32: Auch eine super schöne Idee.
00:27:33: Auf jeden Fall nicht zu langsam singen, also das darf nicht klingen.
00:27:37: Mein Seel oh Herr muss lobendig!
00:27:41: Nein es muss tanzen.
00:27:43: Also egal wo, egal mit welcher Bekleidung ob Psalm oder sinkt ist beschwingt, sinkt is frei, sink des in nem tänzerischen Tempo gebt dem Lied Energie.
00:27:54: Jetzt haben wir noch einen Hinweis ganz am Schluss dieser Folge.
00:27:57: Es ist eigentlich ne Bitte.
00:27:59: Unser Wochenlieder Podcast soll zum Gegenstand eines Promotionsprojektes werden.
00:28:04: Es gibt eine Doktorandin der Theologie in Kiel, die sich mit digitalen Angeboten der Kirche und ihrer Nutzung wissenschaftlich beschäftigt.
00:28:12: Die Doktoranden heißt Jana Langkopp und sie möchte einige Hörerinnen und Hörers des Wochenlieder Podcasts online zusammenbringen und sich mit ihnen über den Wochenlider-Podcast unterhalten.
00:28:23: Es wäre also toll wenn ihr lieber Hörerinnen und liebe Hörern das Projekt unterstützen Und euch mit Jana Langkopp in Verbindung setzen könntet, wie das geht steht in den Shownotes.
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